Chapter 7
Crew Vibes.
02.11.2026
Ich sitze schon wieder zwischen riesigen Hochhäusern, die Skyline umgibt mich, verschlingt mich wohl schon eher. Wir sind schon in der nächsten Stadt angekommen. Ein Zwischenstopp. Jinan. Für das nächste Battle. Bevor wir uns dann auf den Weg heute Abend zu unserem letzten Tour Stop in China begeben. Aber erst einmal kurz innehalten, Luft holen und die letzten beiden Tage Revue passieren lassen. Die Bomb Jam ist vorbei und es war ein schierer Wahnsinn an Eindrücken, Battles und so vieles mehr. Es ist schon wirklich sehr lange her, dass wir so einen wunderbaren Crew Vibe erlebt hatten. Der Körper ist müde, aber die Energie und die Atmosphäre tun ihr Bestes, damit wir alles geben und unsere Grenzen neu ausloten. Wir machen uns warm für unsere Preselection-Runde für das Crew Battle und wir genießen die Musik, machen unseren eigenen Crew-Cypher auf, kommen in eine herrliche Stimmung, lassen einfach fließen. Ich habe ehrlich gesagt noch nie so eine gute Stimmung verspürt, bevor wir in ein Battle gehen. Wir werden aufgerufen und gehen auf die Bühne. Alles wie im Cypher….die Musik stimmt, der Flow passt und wir haben einfach alle Bock zu Tanzen. Man kann dieses Gefühl, diese eigenwillige Dynamik schlecht beschreiben, aber es gibt im Leben nur wenige, seltene Momente, wo alles einfach harmoniert. Als die Musik startet, ein Classic Breakbeat, fange ich an und vergesse sofort am Anfang einfach alles was ich mir vorgenommen haben. Egal, denn der Vibe und der Flow stimmen und so habe ich einen dieser wenigen Freestyle Momente im Tanzen und in einen Battle, wo alles funktioniert. Wir beenden das Battle…alle mit einen Lächeln im Gesicht. So soll es sein hier in China. Wir cyphern noch und pushen unsere Jungs beim 2 vs. 2 Battle, aber keines unserer weiteren Teams kommt durch die Vorrunde. Irgendwie aber auch nicht so schlimm, da es ein guter Tag ist. Und morgen sind ja auch noch Paul und Giuliano in den international eingeladenen TOP 8 für das 2 vs. 2 gesetzt. Der Tag war lang, der Körper wird immer müder, aber Rossi gibt wirklich sein Bestes als Physio uns alle ordentlich durchzu behandeln. Sogar Paul massiert meinen Körper, der sich langsam anfühlt wie die Herkulessäulen in der sächsischen Schweiz. So ein Tag bleibt natürlich nicht ganz ohne Kontakte zur hiesigen lokalen Szene und so werden wir noch von einem Restaurantbesitzer zum Essen eingeladen. Steak, gebratene Nudeln, Spiegelei und Brokkoli. Viel näher kommt man wohl nicht an die deutsche Küche heran. Es schmeckt einfach wunderbar. Obwohl immer noch die Hälfte von uns, des Öfteren schnell auf Toilette rennen muss, da sonst ein größerer Unfall passiert. Ab ins Bett also, den Körper und Geist ein wenig Regeneration gönnen. Naja nicht so ganz, denn in meinen Zimmer (wo ich mit Chris schlafe) findet scheinbar noch eine Party statt. Keine Ahnung wer die Einladung dafür geschrieben hat, aber irgendwie tummeln sich alle bei uns im Zimmer. Nach viel Gelächter und einer Auswertung des Tages, inklusive vielen neuen Crew Insidern, Social Media Posts schneiden und schreiben, schaffen wir es dann doch alle irgendwann die Augen zu schließen.
Sogar Arthur, der den Jetlag scheinbar immer noch intus hat und durch unser Zimmer geflitzt ist, als gäbe es keinen Morgen mehr. Süß und ansteckend zugleich! Nach einen kurzen, gemeinsamen Frühstück, ruhen wir uns immer noch ein wenig im Hotel aus. Mein Körper schmerzt nach 4 Tagen intensiven Breaking und ich denke jedem Mitglied meiner Crew geht es sehr ähnlich. Angekommen in der Location fällt es uns allen ein wenig schwer in das Warm Up zu gehen. Daher ist es schwer für mich von einem Local die Einladung zu einem „Call Out“ anzunehmen. Er hatte mich gestern tanzen gesehen und mir tatsächlich ein wenig Honig um den Mund geschmiert. Aber die Freundlich - und Höflichkeit, mit der er mich gefragt hat, lässt mir nicht wirklich eine Wahl. Der Anfang hätte mich aber schon warnen sollen: Er baut eine Kamera auf und startet einen Livestream. Schon in der ersten Runde wird schnell klar, was er will. Mich bloßstellen und dumm machen. Jegliche Gesten, die wir im Breaking haben, packt er gegen mich aus. Ich fahre langsam hoch und bin kurz nach der ersten Runde schon ziemlich geladen. Das hatte nichts mit einen Battle zu tun, sondern mit einer Vorführung. Ich bekomme aber den Hinweis, dass ich mich auf gar keinen Fall auf ihn einlassen soll. Klasse bei so einen Livestream mit mehreren tausenden Menschen. Und, dass der Typ circa 90 Prozent seines Repertoire von BBoy Benji geklaut hat ... nun ja…Nach 3 Runden verabschiede ich mich aus dem Exchange mit ihm und koche innerlich. Im Nachhinein war es aber tatsächlich das Beste so entspannt zu bleiben und die Skills für sich sprechen zu lassen. So wie ich das ehrlich gesagt auch liebe im Hip Hop. Eine positive Sache hatte es dann aber dennoch. Ich war nun ein wenig warm (was nicht bedeutete, dass der Körper immer noch völlig im Arsch ist - entschuldigt meine verharmlosende Ausdrucksweise). Auf in das Crew Battle…TOP 32….TOP 16…..und dann TOP 8. Mit den unterschiedlichen Battlesystemen zieht sich sowas bei einen Tanz Event, ganz schnell mal ziemlich viele Stunden. Der Crew Vibe ist gut, wir haben Spass, aber das Feeling von gestern kommt leider nicht mehr so ganz auf. In den TOP 8 fliegen wir dann gegen das BOMB Jam Team raus … verdient muss man sagen. Aber wir fühlen uns gut und haben unseren Style repräsentiert. Haben uns ausgetauscht mit der chinesischen Szene. Das erste Mal. Sind irgendwie endlich ein wenig angekommen. Haben alles gegeben, was eben möglich war und darüber hinaus. Lernen erneut unsere Schwächen, aber auch unsere Stärken kennen. Es gibt viel zu tun im Training, sobald wir wieder zu Hause ankommen werden. Das Orga Team versorgt uns noch mit richtig geilen Klamotten und wir sind wieder einmal mehr als nur dankbar. Wirklich ein schönes Gefühl, was uns hier an Wertschätzung widerfährt. (ich habe aber keine Ahnung mehr, wie das alles in die Koffer passen soll….ich glaube Joanna hat sich sogar schon einen extra Koffer hier gekauft — vermutlich auch wegen der ungeheuren vielen Geschenken für den kleinen Arthur). Und als wäre das alles noch nicht genug, werden wir noch zum Abendessen eingeladen, mit allen anderen eingeladenen Artists. Chinesisches Barbecue….aber dieses Mal eine ganze Ecke besser, als unser letztes Mal. Und wir erfahren auch, dass das traditionelle Barbecue in China, hier in dieser Stadt, in diesem Restaurant seine Anfänge hatte. Mehr geht dann nun doch nicht mehr….ein wundervoller und perfekter Abschluss der Bomb Jam, die uns eine Erinnerung für das Leben geschaffen hat.