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Skyline Großstadt China

Chapter 6

The Opening.

31.10.2026

THE OPENING
THE OPENING

So langsam öffnen sich die Augen, an einen neu aufgehenden Tag in China. Es ist die erste Nacht, wo alle gut geschlafen haben, ohne mehrmals aufgewacht zu sein und das Gefühl zu haben man ist putzmunter. Vielleicht liegt es an diesen wirklich bequemen Hotelbetten, oder einfach nur daran dass der Jetlag sich so langsam legt. Frühstück ist wieder einmal eine Herausforderung im Hotel, da die Übereinstimmung mit der deutschen Esskultur sich definitiv sehr gering gestaltet. Aber immerhin Rührei, kleine Joghurts und ein paar Angebote gibt es hier auch, die mal kein Fleisch beinhalten. Frisch gestärkt, bemerkten wir dass wir ein circa 4 Stunden Zeitfenster hatten, bevor der Auftakt der Bomb Jam in Xuzhou beginnt. Also ab die lokalen Sehenswürdigkeiten ein wenig im Internet gesucht und dann mit einer kleineren Truppe von uns losgezogen, da einige dringend benötigten Schlaf nachzuholen hatten. Ich im Übrigen auch, aber wie oft ist man in seinen Leben schon einmal in China, also Zähne zusammen beißen und los gehts. Nach einer circa halben Stunde mit dem Taxi, kamen wir dann an unseren Reiseziel an. Dem Balian Tempel. Keine Ahnung was für eine Religion, aber es ist gewaltig. Riesige Statuen, für mich sehr traditionell gebauten Häuser und eine wunderschön angelegte Struktur. Foto und Video Shooting standen also natürlich auch sofort im Programmpunkt. Wenn sich schon bei uns kleine Menschentrauben bilden, wenn wir tanzen, ist das auf jeden Fall kein Vergleich zu hier. In China ist das Smartphone das mit Abstand wichtigste Gerät, weil ohne dem nun wirklich fast gar nichts mehr hier geht. Dementsprechend sind auch die Menschen hier vor Ort an den Geräten und wir werden unheimlich oft fotografiert und angeschaut. Hier sticht aber keiner so heraus, wie der Sohn von Joanna und Rossi. Der kleine Arthur. Für mich scheint jeden Tag hier in China für ihn Weihnachten zu sein. Jede Menge Geschenke und Spiele stehen für ihn hier auf der Tagesordnung. Er ist definitiv Chinas Liebling, egal wie sehr wir uns beim Tanzen hier anstrengen werden. Der hat jetzt schon wahnsinnig viele neue Freunde gefunden. Wenn man so einen riesigen Tempel besucht und sich anschaut, vergeht die Zeit wie im Fluge und wir bemerken relativ spät, dass es dringend nötig ist zurück zu fahren, da die BOMB Jam beginnt.

Also auf in die Taxis, zurück ins Hotel, Sachen gepackt und rüber zur Location. Die im Übrigen zwei Minuten Laufweg vom Hotel ist. Ein klein wenig verspätet, aber immerhin noch rechtzeitig kommen wir dann an. Typisch The Saxonz würde ich sagen. Immer ein wenig Glück mit dabei. Die Jam findet halb draußen, halb in der Metro Station, die natürlich auch eine Mall ist, statt. Ziemlich cooles Underground Feeling (im wahrsten Sinne des Wortes) muss ich sagen. Eröffnet wird das ganze Spektakel mit der Kategorie Cypher King. Paul, Chris und meine Wenigkeit sind offiziell angemeldet und es gibt zwei offizielle Cyphers. Nach den ersten 20 Minuten wird mir aber klar, dass das nun so überhaupt nicht mein Ding ist. Durch die schiere Masse an Kids, springen immer fast gleichzeitig 15 Tänzer in den Kreis und so eine richtige Atmosphäre lässt sich für mich nicht aufbauen. Also schnappe ich mir die Jungs und sage, dass wir uns eine Treppe tiefer in die U-Bahn Station begeben und unseren eigenen Cypher eröffnen. Auf jeden Fall die richtige Entscheidung. Nach den ersten 10 Minuten gesellen sich immer mehr und mehr Tänzer dazu und nach einer circa halben Stunde, haben wir einen richtig geilen Cypher aufgebaut. Paul und ich geben unsere Bestes und haben richtig coole Exchanges mit der chinesischen Szene. Bis nach circa 45 Minuten, dann auch alle Kids unseren etablierten Cypher entdeckt haben und das gleiche Spiel wieder beginnt. Alle versuchen zur selben Zeit in den Cypher zu springen. Anstrengend tatsächlich und macht für mich auch die Atmosphäre und den Austausch so gut wie unmöglich und kaputt. Aber wer kann es ihnen schon verübeln. Die Kids (und das ist glaube ich weltweit) haben einfach eine ungeheure Energie und haben mega Lust zu Tanzen.

Wir schnappen uns ein paar Tänzer und eröffnen ein paar Meter weiter einen neuen Cypher, um im Austausch mit ihnen zu bleiben, aber die Kids checken schon nach 5 Minuten wo wir sind und sind alle wieder bei uns. Gleiches Spiel. Also bedanken wir uns bei allen für den wirklich coolen Austausch, gehen ein Stück weiter weg und üben dann für uns noch ein paar neue Ideen und machen natürlich noch ein paar Work Outs. Was sonst…muss sein….fester Bestandteil. Ich liebe es! Den Rest des Tages schauen wir beim Powermove, Footwork und B-Girl Battle zu. Rossi judgt natürlich das Powermove Battle ganz allein…eine große Verantwortung, der er aber definitiv gewachsen ist. Es ist einfach ein krasses technisches Niveau, das muss man einfach sagen. Durchweg. Mann oder Frau, völlig egal. Das ist wirklich abgefahren zu sehen und einfach zu bestaunen. Es sind die viele kleine Dinge, die mir hier auffallen, die ich so interessant finde. Die Gewinner verbeugen sich meistens bei der Jury, während die Verlierer einfach gehen. Wir bekommen viel Respekt von der hiesigen Szene, aber ich glaube tatsächlich nicht für unser technisches Niveau, sondern eher für unseren auffallenden Style. Das Einzige was ich tatsächlich so langsame verstehe von der chinesischen Kultur, ist das ich gar tatsächlich gar nicht verstehe. Das kann ich nun mit Sicherheit sagen. Es ist ein unheimlich interessantes Land und eine, glaube ich, wahnsinnig interessante Kultur, die man wahrscheinlich wie jede andere auch, erst nach vielen Jahren anfängt in den ersten Zügen zu verstehen. Und einiges wird wohl immer ein Rätsel bleiben. Wir sprechen viel von Originalität, Individualität, Style und vieles mehr in der Breaking Szene, aber ich glaube dass kann man hier einfach gar nicht übertragen. Dafür ist die chinesische Kultur, Erziehung, Tradition und Rituale einfach viel zu weit weg. Aber das ist ja irgendwie das Spannende. Wenn die Hip Hop Kultur sich auf den ganzen Planeten verteilt, Leute ansteckt und inspiriert und jede Kultur irgendwie noch einmal so ihren ganz eigenen Senf reindrückt. Ganz im Sinne von Hip Hop, so wie ich es für mich verstehe. Also muss ich wieder einmal meine Meinung ein wenig korrigieren, neue Perspektiven ausloten, aber auch meine eigenen Standpunkte verfestigen. Das ganz normale Leben und der ganz normale Wahnsinn also. Damit neigt sich auch der erste Tag des langen Wochenendes mit der Bomb Jam und wir laufen langsam gemütlich alle Richtung Hotel. Kleine Abschlussgespräche finden noch statt, bevor wir langsam alle ins Bett fallen…es ist viel zu verarbeiten und wir haben noch so einige Tage vor uns….es bleibt spannend. Wir schließen die Augen, ich verbeuge mich noch einmal vor meinen inneren Auge, weil das langsam bei mir so intus ist und dann hoffen wir auf schöne Träume….von Tempeln, Tanzen und den wahnsinnig vielen Eindrücken der chinesischen Kultur. Gute Nacht liebes Deutschland…obwohl wir durch die Zeitverschiebung euch allen eher einen schönen Tag wünschen.